Wohl kaum ein anderer Stadtteil Wittens hat sein äußeres Erscheinungsbild im Laufe der Zeit so stark verändert wie der nördlichste Stadtteil Stockum/Düren. Bereits im Mittelalter entwickelte sich der Ort zu einem durchweg landwirtschaftlich geprägten Dorf mit insgesamt 27 Höfen, die in einer Steuerliste aus dem Jahr 1688 namentlich genannt wurden.


Die Gerdesstraße, auf dem Foto sieht man den Einmündungsbereich Mittelstraße, war die frühere Hauptstraße. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts standen an der Dorfstraße, wie sie auch genannt wurde, etliche Bauernhäuser, die sich um die Gildstelle gruppierten: Beckhoff, Kleffmann, Schmidt, Bommert, Gröpper, Siebelhof. Der Schatten links wird von der alten Schule geworfen, die von 1753 bis 1818 in Betrieb war. Neben der ersten Schule, gab es an der Gerdesstraße u. a. auch die erste Poststelle im Gasthaus Zur Post (Gröpper) und eine Lohgerberei auf dem ehemaligen Hof Bommert/Harbrink. Die Gerdesstraße war die erste gepflasterte Straße und einst der Mittelpunkt des Dorfes.


Der Hof Schulte auf‘m Hofe (Foto) an der östlichen Hörder Straße fügte sich in das Dorf ein.  Er existierte 245 Jahre, bis er 1979 abgerissen wurde. Um 1820 zählte er zu den Großen, reichte er doch bis zur heutigen Einmündung des Stockumer Bruchs. Zum Hof gehörten außerdem eine Bierbrauerei, ein Gasthaus mit Tanzsaal und eine Mühle. Diese Hofstelle war bis 1976 im Besitz der Familie Schulte. Heute ist hier der Standort der Maximilian-Kolbe-Gemeinde. 

Der Bergbau war bereits im 18. Jahrhundert zum „zweiten Standbein“ der in der Region ansässigen Bauern geworden, denn schon im Jahr 1752 wurde Stockum als Kohleabbauort erwähnt. Ab dem 19. Jahrhundert wurde vor allem auf dem Steinberg der Bergbau vorangetrieben, wie z. B. auf der Zeche Wallfisch. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Kleinzechen von Stockum und Düren noch bis 1972 Restkohle abgebaut. 

Die Besiedlung des Gebietes war zunächst zögerlich angelaufen. Die beginnende Industrialisierung des 19. Jahrhunderts bewirkte aber immer mehr den Zuzug von neuen Arbeitskräften. Das ehemalige Bauerndorf entwickelte sich nach und nach zu einem Bergbauarbeiterdorf, dessen Bewohner auch auf den Zechen umliegender Orte Beschäftigung fanden.
Das Maschinenhaus der Zeche Wallfisch (in neueren Publikationen auch als Zeche Walfisch bezeichnet) ist ein denkmalgeschütztes Gebäude aus der Zeit um 1850. Es liegt im Wittener Stadtteil Stockum/Düren am Steinäckerweg und gehörte zur Zeche Wallfisch. Das Fördermaschinengebäude wurde aus Ruhrsandsteinerrichtet. Die zugemauerten Rundbogen-Tore sowie die Seilschlitze sind noch zu erkennen.

Das Dorfbild  von Stockum veränderte sich ab dem Jahr 1840: Entlang der Hörder Straße und des Stockumer Bruchs entstanden neue, kleinere Ansiedlungen; nach dem Ersten Weltkrieg kamen weitere in Richtung Annen dazu.

Doch erst in den letzten Jahrzehnten erfuhr der Stadtteil Stockum/Düren größere Veränderungen, die den einstigen, reinen Dorfcharakter in den Hintergrund drängten. Die meisten Bauernhöfe verschwanden nach und nach und das Dorf veränderte sein Gesicht. Heute werden immerhin noch etwa 62 Prozent der Fläche von Stockum und Düren landwirtschaftlich genutzt. 

Mit Beginn der 1960er und 1980er Jahre entstanden Neubaugebiete rechts und links der Hörder Straße und Stockum-Nord und -West wurden geboren. Ganze Siedlungen wurden aus dem Boden gestampft und viele junge Familien mit Kindern zogen hierher. Um den früheren dörflichen Charakter zu dokumentieren, wurden einige Straßen nach ehemaligen Bauernhöfen benannt, wie z. B. Kellerhoff-, Gröpper-, Pleuger-, Paßmannstraße, Spiekermann- und Schraerweg.



Die Chaussee – alte Heerstraße - im Siebenjährigen Krieg (1756-1763), im Napoleonischen Krieg (1806-1809) und in den Freiheitskriegen (1813-1815) wurde Ausgangs des 18. Jahrhunderts mit einer Packlage aus Steinen ausgebaut. Nach 1900 erhielt sie ein Blaubasaltpflaster und den Namen Provinzialstraße. Ab 1929 heißt sie Hörder Straße.

Seinen dörflichen Charakter hat dieser liebenswerte Ort jedoch trotz dieser gravierenden Veränderungen nicht verloren. Wer sich heute in Richtung Am Katteloh, Mühlenstraße, Stockumer Bruch oder Tiefendorf bewegt, ist von der Vielzahl der landwirtschaftlich oder von Reiterhöfen genutzten Flächen überrascht. 

                                  Karoline Robbert

Fotos: Archiv Heimatfreunde Stockum/Düren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                      Karoline Robbert