Liebe Heimatfreunde:innen!
der nächste Heimatnachmittag am
Mittwoch, dem 18. Februar 2026, findet bereits um 14:30 Uhr auf dem Hof Große-Oetringhaus, Katteloh 12,
statt.
Die Betriebsbesichtigung mit Führung und Diskussion (Dauer ca. 2 bis 2 ½ Std.) findet weitgehend im Freien statt. Während einer Pause wird Kaffee und Kuchen angeboten, um sich stärken und aufzuwärmen. Aus diesem Grund ist es wünschenswert, die Zahl der Teilnehmer zu kennen und wir bitten um Anmeldung bis spätestens 15. Februar bei
Klaus Danielmeier (02302/48837) oder Karl Heinz Thomas (02302/47464).
Zum Hintergrund:
Bestimmt erinnern Sie sich an den vorletzten Heimatnachmittag im Oktober 2025: das Thema „Landwirtschaft in Stockum in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ stand auf der Tagesordnung, doch wurde nahezu ausschließlich die Geschichte der Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg thematisiert - und „das Salz in der Suppe“, die eigentliche Diskussion, wozu Fragen nach Problemen der Gegenwart und Zukunft der landwirtschaftlicher Betriebe und der in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung sowie Aspekte des Strukturwandels hören, kam absolut zu kurz. Auch Fragen, die den Einsatz der KI und der GPS - gesteuerten Maschinen und der unabdingbar dazu gehörigen (überdimensionierten) Bürokratie betrafen, wurden nicht einmal am Rande thematisiert. Insofern war es ein Heimatnachmittag, der viele Mitglieder unbefriedigt und weitgehend frustriert nach Hause gehen ließ.
Vor diesem Hintergrund freue ich mich ganz besonders, dass Herr Große Oetringhaus die Initiative ergriffen und den Vorschlag unterbreitet hat, das Thema Landwirtschaft, das ihm sehr am Herzen liegt mit all seiner Facetten ganz anders und viel zielgerichteter aufzugreifen und die Heimatfreund:innen auf seinen Betrieb einzuladen, um persönlich und nicht nur theoretisch, sondern praktisch einen Einblick in den Ablauf und die täglichen Probleme eines modernen landwirtschaftlichen Betriebs, nämlich (s)einer Pensionspferdehaltung, zu vermitteln und für die Stockumer Bevölkerung transparent zu machen. Er möchte u.a. die Problematik thematisieren, die vor Jahren zur Umwandlung seines Betriebs von einem „normalen und traditionellen landwirtschaftlichen Betrieb“ in eine Pferdepensionshaltung geführt haben.
Interessant dürfte deshalb die Frage sein, warum jemand, der über Jahrhunderte hinweg praktische Land- und Viehwirtschaft betrieben hat, plötzlich eine ganz andere Ausrichtung seines Betriebs gewählt hat, anstatt weiterhin Land - bzw/und Viehwirtschaft zu betreiben – und das auch angesichts der grundsätzlichen Bedeutung der Landwirtschft für die dt. Volkswirtschaft: Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Deutschland, der weit über seine direkte Wertschöpfung hinaus geht, indem er Lebensmittel und Rohstoffe liefert, Millionen Arbeitsplätze in der gesamten Ernährungsindustrie sichert, stark exportiert ist und die Kulturlandschaft pflegt. Sie ist zwangsläufig das Rückgrat der Gesellschaft und nicht nur ein Teil unserer Wirtschaft, sondern ein Teil unserer Kultur, unserer Umwelt und unserer Heimat, dh unserer Identität.
Aber nicht nur diese Frage ist relevant, sondern es wird auch ganz allgemein um die Zukunft der landwirtschaftlichen Betriebe bzw. der Landwirtschaft angesichts der folgenden Probleme gehen, die - bei unterschiedlicher Gewichtung der Einzelaspekte - auch Herrn Große Oetringhaus schlaflose Nächte beschert bzw. zu einer Entscheidung für eine Pensionspferdehaltung beigetragen haben dürften:
1. Die Auswirkungen des Klimawandels (Hitze, Trockenheit, Starkregen.
2. Der Strukturwandel, der einerseits Höfe sterben lässt, andererseits große Betriebe durch
Mechanisierung und Spezialisierung begünstigt.
3. Die Problematik der ökologischen Belastung (Dünger und Pestizide)
4. Konflikte zwischen Kosten + Aufwand (= Politische Entscheidungen und ihre Auswirkungen).
Losgelöst von diesen übergeordneten Aspekten ist allerdings auch eine weitere Frage entscheidend, die bei der Diskussion eine nicht unwesentliche Rolle spielen dürfte: Welchen Stellenwert und welche gesellschaftliche Wertschätzung und Akzeptanz hat die Tätigkeit eines Landwirts innerhalb unserer heutigen Gesellschaft?

Dieser Bauernhof wird bereits im Schatzbuch der Grafschaft Mark vom 1486 unter dem Namen Alde Pasmann erwähnt. Er gehört vermutlich zu den ältesten Höfen Stockums. Fotos: Archiv Heimatfreunde Stockm/Düren
Für das nicht selbstverständliche Angebot der Betriebsbesichtigung möchte ich (Karl-Heinz Thomas) mich im Namen der Heimatfreunde:innen bei Herrn und Frau Große-Oetringhaus ganz herzlich bedanken.
Um was geht es:
Zustandsbeschreibung der Landwirtschaft:
- Viel weniger Landwirte/landwirtschaftliche Betriebe ernähren heute viel mehr Menschen!
- Intensive Mechanisierung,
- die Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft geht kontinuierlich zurück,
- enorme Anforderung an Management der Landwirte,
- zunehmende Spezialisierung der Betriebe (besonders Veredelungsbetriebe Hühner-, Schweine-, Rindermast),
- beachtliche Produktionszuwächse durch neues Saatgut, Zuchtfortschritte, optimierte Fütterung usw).
Gründe für Produktionssteigerung:
- Gezielter Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmittel,
- Spezialisierung in Bezug auf Tierhaltung bzw. Pflanzenart,
- Flurbereinigung statt Zersplitterung,
- Größere Flächen, weil Lebensräume wie Bäche und Hecken verschwunden sind,
- neue und größere Erntemaschinen.
Ohne Landwirtschaft = Massive Probleme!
- Probleme der Lebensmittelversorgung der Bevölkerung (jetzt: 80 % durch LW),
- keine Pflege und Gestaltung der Kulturstadtlandschaft, des ländlichen Raumes,
- keine - Grundlage für Vielfalt an Nahrungsmitteln und Rohstoffen,
- vollständige Abhängigkeit von Importen,
- zum Teil unbezahlbare Importe,
- fehlende Produktion von Rohstoffen für verschiedenste Industrien,
- Veränderung der Biodiversität (Reduzierung der Artenvielfalt,
- Verlust an Erholungsräumen und der Kulturlandschaft,
- Landwirtscahft = Anker der Kultur und Identität im ländlichen Raum,
- Verlust vieler Arbeitsplätze und Betrieb,
- Landwirtschaft = wichtiges Standbein der deutschen Volkswirtschaft,
- Landwirtschaft = größte Flächennutzerin (Einfluss auf Böden, Wasserressourcen, Luftqualität, biologische Vielfalt),
- Smart-, Vertikal - und Urban-Farming können keine komplette Versorgung der Bevölkerung sichern!
